Print on Demand - kontrovers Streifband 9, 2004 Durchschnittsauflagen sinken in Bereiche, die Nachdruck im Offsetverfahren wirtschaftlich schwierig machen: Nachauflagen produzieren Büchermengen, die für Monate, manchmal Jahre reichen. Das damit verbundene Risiko wächst, je länger die Bücher am Lager liegen. Die Alternative ist, die Programmbreite zu reduzieren - eine u. U. problematische Entscheidung. Printing on Demand eröffnet die Möglichkeit, sehr kurzfristig und Nachfrage orientiert kleine Mengen zu drucken. Natürlich kann man 500 Exemplare im Bogen drucken, aber bis das Buch gedruckt, gefalzt, gebunden und schließlich abgeliefert ist, vergeht mindestens eine Woche. Digitaldruck erzeugt einen fertigen Buchblock. Nicht zuletzt das macht einen großen Teil der Effektivität des Verfahrens aus. Hemmschuhe sind derzeit noch hohe Stückkosten und die Logistik vor und nach der Produktion: Deren Standardisierung ist unumgänglich. Ich bin überzeugt, dass wir auf lange Sicht neben dem Offsetdruck den Digitaldruck als Standardproduk- tionsweg haben werden. Die Notwendigkeiten, die sich daraus ergeben, sollte man früh akzeptieren, um Lösungen zu erarbeiten, die einen höchstmöglichen Nutzen des Verfahrens erlauben. Das betrifft alle in der Wertschöpfungskette. Prozesse und Schnittstellen müssen neu definiert werden. So müssen Drucker darüber nachdenken, welche Leistungen sie langfristig anbieten. Unter Umständen müssen sie künftig mehr Dienstleistungen an das Produkt Buch binden, indem sie Bestellungen annehmen, ausführen und ggf. auch direkt an den Buchhandel ausliefern. Digitaldruck verträgt keine zusätzlichen Verwaltungskosten, weder im Verlag noch im Druck oder beim Versand. Deshalb müssen Aufträge online vergeben, werden. Die Daten müssen in strukturierter Form übernommen werden und als Rechnung ebenso zurückfließen, damit sie nicht von Hand bearbeitet werden müssen und Fehlerquellen ausgeschlossen sind. Die vollständige Digitalisierung des Produktionsprozesses ermöglicht so nicht nur die Sicherung der Lieferfähigkeit, sondern liefert über dessen Vernetzung mit dem verlegerischen Prozess die Möglichkeit, Kapitalbindung, Bestandsreichweite und Wert- berichtigungsbedarf deutlich zu reduzieren. Nicht lieferbare Titel wird es nicht mehr geben, obwohl kein Lageraufbau betrieben wird. Reihen sind immer komplett lieferbar. Normale Nachdrucke werden auf Digital- druck umgestellt, sobald im konventionellen Verfahren eine Bestandsreichweite von mehr als 3 Monaten droht. In diesem Fall werden auch Neuauflagen im Digitaldruck gefertigt. Kleine, kurzfristige Testauflagen liefern in überprüfbaren, strukturier- ten Absatzsegmenten Rückschlüsse auf den Gesamtmarkt. Holzfreies Werkdruckpapier, dessen Gewicht und Volumen so bestimmt werden, dass die Blockstärke erhalten wird, ermöglicht nicht nur, die vorhandenen Umschlagdaten zu verwenden, sondern ergibt ein wertigeres Produkt. zurück nach oben