Man muss entscheiden, was zu tun ist - wenn man weiß, was man will. Der Vortrag »Digital Publishing« beantwortete im Frühjahr 2000 die Frage »Wie sehen die strategischen Herausforderungen der nächsten Jahre für Verlage aus?«. Er beschrieb den Paradigmenwechsel von der Vervielfältigung zur Verfügbarkeit von Inhalten. Die Schlussfolgerung lautete - und sie gilt mehr denn je: Digital Publishing is Publishing on Demand. Heute haben sich die Herausforderungen für Verlage um weitere kritische Aspekte verschärft: Digitales Publizieren ist auf dem Weg, international stärker als in Deutschland. Die Umwälzung erfordert erhebliche Mittel und die Fähigkeit Konzepte für neue Kanäle und neue Produktformen zu entwickeln und umzusetzen. Hier tun sich erhebliche Herausforderungen auf: · Das System Buchhandel beraubt sich trotz Buchpreisbindung tendenziell der Existenzgrundlage. Der Margendruck auf die Verlage wächst, die wenigsten haben dafür Konzepte. Kleine und mittlere Buchhandlungen fallen im Zweifel dieser Entwicklung zum Opfer, was die wirkenden Kräfte verstärkt. · Digitale Produkte und Vertriebswege stellen Fragen an die – Art der Inhalteaufbereitung – gängigen Geschäftsmodelle – Fähigkeit, die eigenen Märkte zu definieren und zu adressieren – Vertriebswege, die - mit welchen Produkten? - in Zukunft überhaupt beschritten werden können. Deshalb müssen Verlage sich verändern. Zwar sind sich einige Verlage durchaus dessen bewusst, dass sie in sehr absehbarer Zeit ein völlig anderes Geschäft betreiben werden, was sich international schon deutlich abzeichnet. Viele erkennen das Problem in der Schärfe aber eben leider noch nicht. Wenn man schon die Bereitschaft aufbringt, diese Herausforderungen anzunehmen, darf man keinesfalls gleichzeitig an den herkömmlichen Geschäftsmodellen festhalten. Man muss die Bereitschaft aufbringen, das bisherige Geschäftsmodell grundsätzlich in Frage zu stellen. Das heißt nicht zwingend, dass man in der Folge wirklich etwas völlig anderes tun muss, man weiß aber auf jeden Fall dann besser, warum man sein Geschäft so betreibt. Wer zu spät anfängt Konzepte für digitale Produkte und Vertriebswege zu erarbeiten und zu erproben, bekommt früher oder später bis ins existenzielle gehende Probleme. Einige große Spieler, die konsequent zu Ende denken, geben Teile ihres angestammten Geschäftes auf, um sich neu auszurichten, manche positionieren sich völlig neu: · Elsevier mit der Aufbereitung digitaler Datenbestände · Bertelsmann mit digitaler Dienstleistung · Holtzbrinck mit digitaler Kundenbindung · Thomson Reuters als Nachrichten- und Finanzdatenanbieter Die Rolle der Buchverlage verändert sich ganz stark. Es wird sie sicher weiterhin geben, aber es werden zunehmend (nur noch) große Gruppen sein, die (immer kurz- lebigere) Bücher produzieren. Der Mittelteil wird zunehmend Probleme haben unabhängig zu überleben, wenn er nicht sehr genau adressierbare Märkte hat, für die er produziert. Die Frage, wie Inhalte aufbereitet werden müssen, um in Zukunft Erfolg am Markt er- zielen zu können, ist offen. Wenn man sie nicht verschenken will oder sie nicht im Web über Werbung finanzieren kann, muss man sehr genau wissen, für wen welche Inhalte interessant sind und wie sie mögliche Kunden am schnellsten und besten erreichen. Welcher Teil der Verwertungskette dafür geeignet ist, muss neu bestimmt werden. Viele kleinere Verlage werden versuchen, in der Nische zu überleben. Beliebig viele Nischen gibt es freilich nicht - da muss man sich sehr gut aufstellen, um eine echte Chance zu haben. Die Geschäftsmodelle in erfolgreichen Nischen sind genau das Gegen- teil von dem, woran viele zuvor gescheitert sind: den Wert des Contents am Markt durchzusetzen. Das macht es nicht einfacher. Darüber hinaus gibt es in vielen Bereichen Menschen, die Online-Dienste und auch Online-Content nutzen. In der Regel machen sie das, um Inhalte zu finden und sich dann damit in gedruckter Form vertieft auseinander zu setzen. Dieses Verhalten wird sich auf absehbare Zeit nicht ändern. Für Verlage ist es deshalb eine weitere, zentrale Herausforderung: Inhalte so aufzubereiten, dass sie möglichst zuverlässig gefunden werden können, ohne sie damit einfach preiszugeben, wofür eben funktionie- rende Geschäftsmodelle gebraucht werden. Verwendung und Zitate sind (nur) mit Copyrightvermerk gestattet! Zur Bedeutung von Herstellung heute (entstanden 2006) Produktionsprozesse - der Weg zum Markt Lange Zeit waren Verlage davon überzeugt, dass Herstellung durch Kosten- senkung Geld verdient. Diese Überzeugung schwindet. Die meisten großen Verlage haben ihre Herstellprozesse analysiert, Kosteneinsparpotenziale gefunden und realisiert. Meist ging es dabei schlicht um das Einkaufs- verhalten oder das mögliche Outsourcing interner Dienstleistungen. Dabei war Kostensenkung zu Lasten der Produktqualität immer eine Option, ebenso der vermeintlich preisgünstigere externe Einkauf vormals eigener interner Dienstleistungen. ... mehr mit Download Möglichkeit zurück nach oben