Buchgestaltung im Zeitalter der industriellen Buchproduktion [2001/2002] Auszug ... Über die industrielle Buchproduktion Die Schlagworte, die unsere Praxis heute bestimmen, führen zügig in eine nüchterne Welt: Digitalisierung – Kostenkontrolle – Workflow-Optimierung Digitalisierung Die Digitalisierung schreitet voran, erfordert nicht unerhebliche Mittel und eine damit verbundenene Vorausschau. Gefragt ist heute die sinnvolle Ergänzung der Nutzung von notwendigen eigenen Investi- tionen um Partner, die in ähnlicher Lage aber nicht mit den notwendigen Mitteln durch zusätzliche Nutzung der eigenen Investition den Return of Invest und damit für beide die Marktposition sichern. Ein Beispiel: Die Einführung von Computer to Plate ist keine Entscheidung für CtP, sondern eine Entscheidung für den vollständig digitalen Workflow. Konsequenzen wie Workflow-Management, Redigitali sierung von Filmen und digitale Produktionssteuerungssysteme inclusive Ausschießsoftware sind weitreichend und stellen hohe Anforderungen an die Anwender. CtP zuzukaufen ist am Anfang bei unsicherer Auslastung sinnvoll, braucht aber die Voraussetzung, den eigenen Betrieb komplett auf die neue Produktionsweise um- zustellen. ... Kostenkontrolle Die Verlagslandschaft selbst dokumentiert am besten, welcher Anstren- gung es heute bedarf, als Verlag wirtschaftlich zu arbeiten. Prozesse müssen optimiert, Kosten minimiert werden. Alles in allem heißt das, sich mit den engsten Partnern ökonomisch so zusammen zu schließen, dass durchgängige, sinnvolle Prozesse ermöglicht werden und die grenzwertigen Kosten ein Optimum an Leistung und Produkt generieren. Voraussetzung dafür sind kontrollierte und strukturierte Prozesse auf beiden Seiten. Ziel ist die übergreifende, kostenorientierte Optimierung der von Auftraggebern und Auftragnehmern gemeinsam gestalteten Pro- duktionsprozesse. Eine solche Einkaufspolitik allein genügt nicht. Es ist darüber hinaus not- wendig, die Verantwortlichkeiten und internen Prozesse so zu organisieren, dass diese Einkaufspolitik umfassend greifen kann. Eine weitere Grundlage ist die Änderung der Betrachtungsweise: Nicht mehr Stückkosten sind alleiniges Kriterium für Entscheidungen, sondern der Gesamtprozess und die damit verbundenen Kosten. ... Ähnlich der Manufaktur, die den Blick auf Prozesskosten und Wertschöpfung unter einem Dach vereinte, wo man sprichwörtlich »Hand in Hand« arbeitete, fordern heute »Input« und »Output« die digitale Form der Arbeit »Hand in Hand« unter einem weltweit gespannten virtuellen Dach. Workflow-Optimierung Das Tätigkeitsfeld des Verlages lässt sich als »Aufbereitung von Inhalten, Schnittstellen-Management und Marketing« beschreiben. Die sich anschlie- ßende Produktion lässt sich als »Daten-Management« beschreiben, unab- hängig davon, dass unter Umständen Print-Produkte erzeugt werden. Die Formel »Output Autor = Input Verlag / Output Verlag = Input Daten- management / Output Datenmanagement = Input Markt« ist zwar plakativ, transportiert aber den entscheidenden Zusammenhang. Die Orientierung auf den Markt und damit auf den einzelnen Kunden ist deshalb schon bei der Produktentwicklung unverzichtbar. Aus Produkt- eigenschaften, die die Erwartungen von Kunden optimal treffen, eine anhaltende Kundenbindung zu generieren, wird ein wichtiger Gradmesser für den Markterfolg von morgen. Die notwendige Optimierung von Workflow muss im wesentlichen durch die gemeinsame Anstrengung zur Eliminierung von überflüssigen Prozeß- schritten zu größerer Wirtschaftlichkeit geführt werden. Der Wegfall von Kosten geht mit höherer Produktivität einher. Was heute neu ist und in der zukünftigen Perspektive erst richtig zur Geltung kommen wird, ist die Umwälzung und Neubewertung der verlege- rischen Prozesse, deren technische Basis sich dynamisch verändert. Die unvermeidliche Restrukturierung der Wertschöpfungskette Soweit es den Produktionsprozess betrifft, bleibt dabei festzustellen, dass heute kaum ein Glied der Kette mit einem so ausreichenden Gewinn arbeitet, dass seine Zukunft gesichert wäre. Das gilt auch für den überwiegenden Teil der Verlage, die faktisch Anfang und Ende der Wertschöpfungskette bilden, über die ich spreche. Die Konzentrationsprozesse, die sich aus dieser Entwicklung ergeben haben, finden im Verlagsbereich wie in der produzierenden Industrie als auch jetzt im Handel statt. Dabei bilden diese Prozesse aus meiner Sicht nur den schmerzlichen Übergang zu wirtschaftlicheren Strukturen der Wertschöp- fungskette. Aber auch am Buchmarkt besteht hoher Handlungsbedarf. Die zu beob- achtende Hinwendung der Käufer auf das preiswertere Taschenbuch muss die Aufmerksamkeit der Anbieter über die sorgfältige Produkt- gestaltung auf eine verbesserte Kundenbindung lenken. Es kann nicht ausbleiben, dass Produkte stärker auf ihre Märkte abgestimmt werden, was sich in gezielter Ausstattung, gezielter Auflagenpolitik und ebenso gezielter Ladenpreisgestaltung niederschlagen muss. ... Einzelheiten anfordern zurück nach oben